Mittwoch, 8. Februar 2012

Wusstet ihr schon... ?

Liebe Freunde des Schaltjahres,

bis zu meiner Abreise bleiben mir nur noch gute 5 Wochen und das ist für mich am wenigsten fassbar. Der Sommer, in dem ich seit fast fünf Monaten lebe ist nun fast vorbei und meine Gedanken kreisen schon um Wohnungssuche, Abschied und Wiedersehen.
Hier in Maua herrscht der kenianische Alltag und im Moment gibt es nicht all zu viel Neues, was ich euch berichten könnte. So nutze ich die Zeit um euch einmal etwas mehr über das Land zu erzählen. 


Kenia - "Entdecken Sie den Zauber Afrikas", sagt mein wundervoller Reiseführer.

Umgeben von Äthiopien, dem Südsudan, Uganda, Tansania, Somalia und dem Indischen Ozean wird es zum Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen und dem Drehpunkt Ostafrikas.





Die Amtssprachen sind Englisch und Swahili (auch Suaheli, Kisuaheli oder Kiswahili genannt).

In Kenias Nationalflagge sollen die weißen Linien Einheit und Frieden symbolisieren. In der Mitte hinter dem Schild kreuzen sich zwei Speere als Zeichen der Bereitschaft, für die Freiheit zu kämpfen.




Bevölkerung

Gegenwärtig leben in Kenia ca. 38 Millionen Menschen. Jedes Jahr wächst die Bevölkerung um geschätzte 2,7%. Bei gleichbleibendem Wachstum wird sich die Bevölkerung also in 20 Jahren verdoppeln. Von diesen 38 Millionen Menschen sind 43% jünger als 15 Jahre und die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 57,8 Jahre. 

(Im Vergleich dazu die deutschen Daten: Bevölkerungswachstum: -0,04%, Anteil der unter 14-Jährigen: 14%, durchschnittliche Lebenserwartung: 79 Jahre.)

Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte von 67 Einwohnern / km², bei einer Fläche von 582 646 km², täuscht darüber hinweg, dass mehr als drei viertel der Bevölkerung auf einem Drittel des Staatsgebietes leben. Die meisten Menschen drängen sich, mit steigender Tendenz, im fruchtbaren Hochland im Südwesten, an der Küste und in den drei großen Städten Nairobi, Mombasa und Kisumu.

Geschichte und Politik

Die Staatsform Kenias ist heute die Präsidial-Demokratie mit Präsident Mwai Kibaki als Staatsoberhaupt und Raila Odinga als Premierminister. Die Regierung zählt 93 Minister und Staatssekretäre.

Präsident Mwai Kibaki

Geschichtliche Fakten (ab der britischen Ära)

1856        Briten zerschlagen das Sultanat der Ostafrikanischen Küste.

1920        Kenia wird Kronkolonie.

1944        Aufnahme der ersten Afrikaner im Legislative Council.

1963        Kenia erhält die Unabhängigkeit.

1964        Jomo Kenyatta wird erster Präsident.

1978        Daniel arap Moi übernimmt die Herrschaft.

2002        Mwai Kibaki wird als dritter Präsident vereidigt.

2007        Blutige Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen

2008        Koalitionsregierung Mwai Kibaki und Raila Odinga

2009        Schwerste Dürre und Versorgungskrise

2010        Mwai Kibaki setzt die neue Verfassung in Kraft


Religion 

Rund 70% der Kenianer sind Christen, wovon die Mehrheit anglikanisch oder römisch-katholisch ist. Andere sind z.B. Baptisten, Protestanten, oder Methodisten. 

Während der Einparteienregierung von Daniel arap Moi in den 1980er Jahren waren die Kirchen die einzigen Kräfte, die wiederholt politische Rechte für die Bevölkerung einforderten. Zum Islam bekennen sich ca. 6% vor allem entlang der Küste. Zum Beispiel die indischstämmigen Ismaeliten, die durch das starke soziale Engagement ihres religiösen Führers, des Aga Khan, großen Respekt genießen, vertreten eine sehr liberale Strömung des Islam.

Islamistischer Fundamentalismus ist in Kenia bisher unbekannt.

Viele Kenianer sind Mitglieder traditioneller Religionen, die meisten davon afrikanischen Ursprungs. Überlieferte Glaubensvorstellungen haben jedoch auch für viele Christen Bedeutung. Spiritualität durchdringt bei den meisten Kenianern alle Lebensbereiche.

Ethnische Gruppen 

In Kenia leben 42 ethnische Gruppen, gesprochen werden mehr als 50 verschiedene Sprachen und Dialekte. Zu Ihnen zählen unter Anderem die Swahili, die Kikuyu, die Masai, die Luo und viele Andere. Ich habe mir mal die Swahili und die Kikuyu herausgepickt um euch deren Kultur etwas näher zu bringen.
 
Swahili - Die Swahili bilden eine Kulturgemeinschaft entlang der Küste. Bereits im 6. Jahrhundert ließen sich arabische Kaufleute an der Küste Ostafrikas nieder. Durch Heirat vermischten sie sich mit den einheimischen Bantuvölkern. Es entstand eine gemeinsame Sprache, Swahili, heute die Nationalsprache Kenias und Umgangssprache in ganz Ost - und Zentralafrika. Kulturell konnte sich die Küstenbevölkerung erstaunlicherweise gegen die jahrhundertelangen Einwanderungswellen aus Persien und Arabien behaupten. Als Religion übernahmen sie allerdings den Islam.

Kikuyu - Die bantusprachigen Kikuyu sind die größte und einflussreichste Volksgruppe und stellen ca. ein fünftel der Bevölkerung. Sie gehören zu den dominanten Volksgruppen Kenias, da ihnen vom Staatsgründer Jomo Kenyatta, der Kikuyu war, viel Land zugeschanzt wurde. 

Nach Kikuyu-Gesetz kann ein Mann bis zu vier Frauen haben, von denen jede einzelne mit ihren Kindern in einer eigenen Hütte lebt. Das von ihnen besiedelte Gebiet erstreckt sich zwischen Nanyuki im Norden und Kiambu im Süden.

 Eine traditionell gekleidete Kikuyu-Frau

Bildung

Kenia gibt rund 7% der Staatsausgaben für das Bildungswesen aus. 

Zum Vergleich: In Deutschland wird ein fünftel für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur zusammen ausgegeben.

Heute besuchen mehr als 7,5 Millionen Kinder die Grundschule, das sind fast 22% der Bevölkerung. Früher wurden fast ausschließlich Jungen zur Schule geschickt, aber inzwischen sind 57% der Schüler Jungen und 43% Mädchen. 

In Kenia herrscht Schulpflicht mit den Pflichtsprachen Englisch und Swahili. Doch nicht alle Kinder können die Schule besuchen, denn obwohl der Schulbesuch frei ist, kommen auf die Eltern Kosten zu (Schuluniformen, Bücher, Hefte...).

Die vierjährige Oberschule ist im Gegensatz dazu kostenpflichtig. Sie wird von etwas  mehr als 900 000 jungen Kenianern besucht.

Generelle Probleme in den Schulen sind ihre schlechte Ausstattung und Lehrermangel.

Kenia hat sechs staatliche Universitäten, zwei davon befinden sich in Nairobi. Daneben gibt es einige private Universitäten und eine Reihe von Fachhochschulen. Ein Schulabschluss bedeutet in Kenia aber noch lange keine sichere Arbeitsstelle. Nur jeder sechste Schulabgänger findet Arbeit mit geregeltem Lohn. Auch ein Universitätsexamen garantiert keinen Arbeitsplatz. 


Gesundheitswesen

Es gab eine Zeit, in der das kenianische Gesundheitssystem für afrikanische Verhältnisse vorbildlich war. Inzwischen ist jedoch selbst die notwendigste Versorgung in den staatlichen Krankenhäusern nicht mehr gegeben. Wegen der andauernden Unterbezahlung gibt es zu wenig Ärzte und kaum Medikamente. Ein Sechstel  der Krankenhausbetten steht in der Millionenstadt Nairobi. Ländliche gelegene Krankenhäuser sind sehr schlecht ausgerüstet, haben kein Geld und zu wenig Personal. Zudem können sich die meisten Kenianer die möglichen Behandlungen nicht leisten.

Gut untergebracht, allerdings nur bei unkomplizierten Fällen, ist man in privaten bzw. kirchlichen Kliniken. Ich denke man kann an dieser Stelle auch das Maua Methodist Hospital hinzuzählen. Wobei ich sagen muss, dass ich äußerst erleichtert bin, dass ich bis jetzt nicht einmal ernsthaft krank war, denn auf Grund der hygienischen Umstände möchte ich nicht gezwungen sein mich auf eine der Stationen zu legen. Und dabei ist unser Krankenhaus eines der Saubersten im ganzen Land! Bei einer komplizierten Sprunggelenksfraktur, würde ich mich nach Hause fliegen lassen.

 Eines der Zimmer der chirurgischen Station in Maua

Das rasante Bevölkerungswachstum in den Griff zu bekommen und Familienplanung ist ein Schwerpunkt der Gesundheitspolitik. Die Bekämpfung von Aids gehört natürlich auch dazu. Die Krankheit frisst jährlich ca. 80% des medizinischen Budgets. 

Wirtschaft

Kenia war über Jahrzehnte als das politische und wirtschaftliche Vorzeigeland Ostafrikas bekannt. Ab Mitte der 1990er Jahre führte die ausufernde Korruption dazu, dass die einst vorbildliche Infrastruktur zunehmend verkommen ist. 1998 erklärte sich Kenia für bankrott.
 
Beschäftigung 

Die Weltbank schätzt die erwerbsfähige Bevölkerung auf mehr als 17 Millionen. In den Städten sind laut Regierung gut ein Viertel der Menschen ohne Arbeit, die Opposition geht von mehr als 50% aus. Für die Landbevölkerung gibt es keine Angaben. In der Regel kann man davon ausgehen, dass ein Kenianer mit Arbeit zehn weitere Menschen versorgt.


Aus der kenianischen Wirtschaft nicht wegzudenken sind außerdem die schätzungsweise 2 Millionen "fliegenden Händler", welche ohne staatliche Lizenz als Schuhputzer, Straßenverkäufer oder auch Fremdenführer arbeiten.

Nairobi an einem Nachmittag im Zentrum

Ausschlaggebend für die kenianische Wirtschaft sind Landwirtschaft und Fischerei, Industrie und Bergbau, und natürlich der Tourismus.

Kenia ist übrigens Weltmeister im Tee-Export. 1906 brachten englische Pflanzer erste Setzlinge mit und inzwischen liefert sich Kenia ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Sri Lanka um die Exportspitze. Rund 10% der Bevölkerung Kenias sind mittel- oder unmittelbar mit Tee beschäftigt.

Inzwischen ist der Tourismus größter Devisenbringer des Landes. Mindestens eine Million Jobs hängen an der Branche. Umso katastrophaler wirken sich negative Schlagzeilen in den Medien aus. Durch die teilweise schwierige und ungewisse politische Lage im Zusammenhang mit Somalia und al-Shabaab bleiben viele Besucher lieber fern. 

Kenia ist nicht besonders reich an Bodenschätzen. Der gesamte industrielle Sektor macht knapp ein fünftel des Bruttoinlandsproduktes aus. Kenia besitzt eine starke Lebensmittel- und Zementindustrie und große Textil- und Schuhfabriken. Bei Mombasa steht eine Erdölraffinerie, die Importe für Kenia und den Weitertransport in die Nachbarstaaten verarbeitet. Das Land hat so gut wie keine fossilen Brennstoffe, also kaum Erdöl und Kohle. Etwas Energie wird durch Wasserkraft am Tana River erzeugt, aber all das reicht längst nicht aus um den Energiebedarf des Landes zu decken. Erdöl muss also gekauft werden, was zukünftig verstärkt aus dem Nachbarland Uganda kommen soll, wo kürzlich Erdölreserven gefunden wurden.

Neun Zehntel der Kenianer auf dem Land müssen ohne Elektrizität auskommen.


Frauen beim Wäsche waschen am Fluss in der Nähe von Maua

So meine lieben. Wieder was gelernt! Vielleicht habe ich euch ja ein bisschen für Kenia begeistern können. Den Zauber kann man aber nur entdecken, wenn man einmal hier gewesen ist, denn es bleiben neben all den Fakten und Zahlen unendlich viele Dinge, die man gesehen, gehört, gerochen und gefühlt haben muss um dieses Land annähernd zu begreifen und zu verstehen. 
Auch die Mentalität der Kenianer spielt dabei eine große Rolle und ich werde wohl nie müde werden in diese Kultur einzutauchen und Neues zu lernen. Besonders die Frauen des Landes sind für mich beeindruckend, denn sie sind meist diejenigen, die alles anpacken und es schaffen ihre Familie zu versorgen.

Während ich nun meine Erkältung ausbade, genießt ihr mal eure - 20° und freut euch auf den Frühling, denn der kommt ja irgendwann zum Glück immer!

Alles Liebe und bis bald.
Eure Pauline


























Mittwoch, 18. Januar 2012

Jambo!

Liebe Freunde des Wintersports, 

Jambo, das ist Swahili und heißt so viel wie hallo, oder guten Tag. Wichtig ist, das Wort mit afrikanischer Leidenschaft zu betonen. Man muss Schwung holen und es lange ausschweifen lassen!

Seit meiner Rückkehr nach dem heimatlichen Weihnachtsurlaub habe ich nun wieder die Möglichkeit und Freude die verschiedenen Facetten von Kenia zu bestaunen.

Es ist schön, dass ich dieses Mal nicht von Aufregung und Nervosität begleitet wurde, denn in gewisser Weise habe ich auch ein bisschen heimatliche Gefühle für Kenia. Das hab ich allerdings erst durch meine kurze Abwesenheit feststellen können. Wenn man weiß, dass jetzt auch hier die Freunde auf einen warten, dann ist der schwere Abschied in Deutschland gleich nicht mehr ganz so dramatisch wie er noch im September war.


Nach ein paar Tagen ankommen und eingewöhnen kündigte sich mein erster Besuch aus Deutschland an. Meine lieben Eltern haben sich aufgemacht um mich und Afrika zu besuchen.
Das macht natürlich Laune und ich muss sagen, dass ich vor ihrer Ankunft richtig zappelig war. Es ist nicht leicht alle Eindrücke, die ich hier sammeln darf so zu beschreiben, dass auch nur annähernd bei euch ankommt, was ich tatsächlich meine. So ist es schön und aufregend Besuch zu bekommen, der dann viel mehr viel besser verstehen kann.

Nach einem freudigem Empfang meinerseits am Flughafen in Nairobi war die erste Station unserer gemeinsamen Reise meine momentane Wohnstätte Maua. Auf dem Weg dorthin hatte ich das Gefühl, Kenia zieht eine kleine Show ab um meine Eltern zu beeindrucken, denn es sind Dinge passiert, die sonst noch nie passiert sind. Zum Beispiel hatten wir eine Panne mit dem Matatu. Das kann ja mal passieren und der Fahrer machte sich gleich daran den Reifen zu wechseln. Leider hatte der Ersatzreifen auch einen Platten und wir mussten auf Hilfe warten. All das war nicht weiter schlimm und ich bin in der glücklichen Lage humorvolle Eltern zu haben. Es hatte ja auch etwas abenteuerliches, denn dem Durchschnittstouristen passiert so etwas in zwei Wochen Hotelurlaub nicht. Und wie die Kenianer so schön sagen: Hakuna matata! Alles kein Problem!


 Das verhängnisvolle Matatu vor dem Start in Nairobi


In diesen drei Tagen Maua ist mir auf Grund der Reaktion meiner Eltern klar geworden, dass ich hier im Blog noch nicht ausreichend beschrieben habe wie man sich das Örtchen Maua so vorzustellen hat. Darum möchte ich das an dieser Stelle gleich noch einmal tun. Maua ist dreckig! Dreckig und voller Müll in jeder Ecke. Es stinkt so extrem nach einer Mischung aus Tier, Restmüll und Mensch, dass ihr euch glücklich schätzen könnt, dass es kein Geruchsinternet gibt. Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass ich in diesem Ort aufgenommen wurde, aber scheinbar muss es mal gesagt werden um es sich wirklich bildhaft vorstellen zu können.
Wir haben in den letzten Tagen allerdings Wichtiges erfahren. Für die kenianische Bevölkerung war es schon immer normal, dass alles was Müll ist, in den Busch kommt. Das war früher auch kein Problem, doch jetzt wird auch dieses Land in Sachen Verpackung von Plastik beherrscht und das macht sich im Busch nicht so  gut. Um das deutlich zu machen werden wohl noch ein paar Jahre ins Land gehen. Geduld, Geduld.




Aber Maua und besonders die umliegende Landschaft hat auch wirklich schöne Seiten zu bieten. Und so haben wir einen Tag genutzt um einen Ausflug in den Regenwald zu machen.  
Der Nyambene Forest liegt nicht weit von Maua und doch wirkt es im Vergleich wie eine andere Welt. 
Dieser Wald ist nicht nur irgendein Wald, wie sich für uns bald herausstellte.
Schon im Jahr 1957 haben sich in diesem Gebiet italienische Katholiken niedergelassen und schnell erkannt, dass die Wasserversorgung mehr als schlecht war. Sie haben ein effektives Projekt gestartet und Dämme angelegt um das Wasser aus dem Regenwald zu sammeln und damit die umliegenden Dörfer zu versorgen. Im Moment existieren drei Dämme an verschiedenen Stellen im Wald. Am vierten Damm wird gerade gearbeitet. 
Durch diese Arbeit werden zur Zeit über 280 000 Menschen mit dem dort gesammeltem Wasser versorgt und nach der Fertigstellung des vierten Dammes kann diese Zahl noch wachsen. Außerdem entstehen durch die ständigen Bauarbeiten und Instandhaltung Arbeitsplätze für Einheimische.
So hatten wir eine bunte Mischung aus Wissenswertem und der Natur mit all ihren schönen und manchmal auch beängstigenden Seiten. Von Riesenameisen, weißen Nacktschnecken und faszinierenden Colobus Affen bis hin zu einer Black Mamba, die vor unseren Augen vom Reiseführer getötet wurde, um uns nicht zu gefährden. 
Das letzte Bild in der Diashow zeigt einen Baum, der von einem anderen Baum aufgegessen wird. Dieser Vorgang dauert ca. vierzig Jahre. 




Die Zeit in Maua war ausreichend um einen Eindruck zu bekommen und so ging die Reise weiter. Unser Ziel war die Küste Kenias mit einem Zwischenstopp in Nairobi. Unser Hotel lag zur Abwechslung mal mitten im Stadtzentrum und gewisse Parallelen zu Manhatten blieben uns so nicht verborgen. 
Jede große Stadt hat ja einen bestimmten Geruch, wie ich finde. Nairobi riecht vor allem nach Abgasen. Was das angeht werden meine Eltern hier viel an DDR-Zeiten erinnert, wenn sie von einem vorbeifahrendem LKW mit schwarzem Ruß vollgeblasen werden.


Weiter ging es mit dem Flugzeug nach Mombasa.
Meinen ersten Inlandsflug in Kenia hatte ich mir eigentlich mit einer Maschine vorgestellt, die ungefähr so aussieht:



Oder so:






Sie hat aber zum Glück so ausgesehen:




Der Flughafen von Mombasa hat einen sehr speziellen Charme und ich kam mir ein wenig vor wie in einer billigen ZDF-Verfilmung, aber so ist das wohl alles wirklich, wenn man an einem solch tropischen Flughafen ankommt.
An der Küste Kenias ist es warm. Sehr warm. Und wenn man einmal hier angekommen ist, liegt es für einen nicht im Bereich des Möglichen, dass irgendwo auf der Welt Winter sein könnte.
Unsere kleine Unterkunft liegt in Diani Beach. Der kilometerlange Sandstrand des indischen Ozeans liegt etwas südlich von Mombasa und es ist das erste Mal, dass ich Einheimische Deutsch sprechen höre. Sehr gutes Deutsch sogar. Das liegt daran, dass die Küste natürlich deutlich mehr Touristen anzieht, als zum Beispiel die Hauptstadt Nairobi im Inland.
Der breite Traumstrand ist zwar trotzdem meist menschenleer, doch es vergeht kein Strandbesuch ohne ein paar Beachboys zu treffen, die sehr gerne etwas verkaufen, oder einem zu einer Bootstour überreden wollen. Das Wichtigste hier ist, freundlich zu bleiben. Die Jungs machen nur ihre Arbeit, aber man kommt doch hin und wieder an seine Grenzen. Ich sehe das Ganze also gerne als Herausforderung an mich selbst und übe mich in Geduld, bis die netten jungen Herren abdampfen, nachdem sie meinem Vater ein paar Kamele für mich angeboten haben.




Morgen machen wir eine Tour durch Mombasa und schauen uns ein paar Sehenswürdigkeiten an. Wenn man dem glaubt, was der Reiseführer schreibt, ist das wohl in einem halben Tag erledigt. Wir freuen uns trotzdem darauf, denn nach einigen Tagen Entspannung sind wir nun wieder bereit für Neues.

Für mich geht es dann nächste Woche zurück nach Maua und die letzten Wochen meines Abenteuers stehen an. 
Ich freue mich auf alles was noch kommt und bin weiterhin sehr dankbar hier sein zu dürfen.


Alles Liebe für euch. Kwa heri!


Eure Pauline

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Oh du fröhliche…

Liebe Freunde des festlichen Konsums,

nun habe ich seit einer ganzen Zeit, aus verschiedenen Gründen, nichts geschrieben. Auch in Kenia bekommt man nach langer Regenzeit doch mal eine starke Erkältung und liegt über eine Woche im Bett. Und nach einer langen Ruhephase wieder in Schreiblaune zu kommen ist gar nicht so einfach.

Zu erzählen gibt es jetzt natürlich viel, also gebe ich mir Mühe nichts zu vergessen.
Der Regen hat bis vor zwei Tagen fast kontinuierlich angehalten und ich wiederhole mich gerne, wenn ich sage, dass es auf die Dauer fast unerträglich werden kann. Doch nun zeigt die Sonne wieder ihr strahlendes Lächeln und wir genießen gemütliche 25°C. Das bringt jede Menge Energie und wir geben uns Mühe trotz der Wärme ein wenig in Weihnachtsstimmung zu kommen.
Das nahende Fest und die Adventszeit bringt uns Nicht-Kenianer noch ein wenig näher zusammen, denn jeder denkt jetzt mehr als sonst an zuhause. So haben wir doppelte Weihnachtsfreude, wenn wir die Traditionen der verschiedenen Länder austauschen.

Nun will ich euch gerne auf den neusten Stand bringen, denn zum Glück war in den letzten Wochen noch ein bisschen mehr los als das Bett zu hüten.

Die Regenzeit war eines Tages so gütig und schenkte uns einen sonnigen Sonntag. So beschlossen Cecilia, Daniel und ich unsere lang geplante und immer wieder verschobene Wanderung in die Tat umzusetzen.
Um das dreckige Städtchen Maua erhebt sich eine wundervolle Natur. Dass ich hier mitten in den Bergen bin, vergesse ich manchmal, denn man gewöhnt sich schneller an den Anblick der mit Tee bewachsenen Riesen, als gedacht.
Wir waren verzaubert und und fasziniert vom Anblick des satten Grüns und des Ausblicks, der sich uns bot.
Wir liefen weit nach oben bis zu einem kleinen Wasserfall und bis zu diesem Punkt kamen wir uns vor, wie auf Safari, aber nicht, weil wir viele Tiere sahen, sondern weil wir uns vorkamen, wie ein paar Giraffen, die beobachtet wurden. Auf dem ganzen Weg “begleiteten“ uns zwei Jungs, die völlig fasziniert von uns waren und nicht von unserer Seite wichen. Allerdings nicht ohne einen gewissen Sicherheitsabstand. Wir waren sehr belustigt, wenn auch etwas verwirrt, denn  noch immer verstehe ich der Kenianer Faszination für weiße Menschen nicht im Geringsten.
Dieser Tag hat uns allen einen großen Schub neuer Energie verpasst und wir konnten motiviert in eine neue Woche Afrika starten.



Ein weiteres Projekt erfreute in der letzten Novemberwoche mein Herz. Die Amerikanische Missionspartnerin und Krankenschwester Jerry hat für alle Stationen neue Kissen mit speziellen Bezügen zum reinigen besorgt, um sicher zu gehen, dass Bettlägerische Patienten entsprechend gelagert werden können. Das Lagern von Patienten ist hier leider noch nicht so in Mode und darum gibt es unzählige Patienten, die sich wund liegen.
Jerry hat darum Claudia und mich gebeten ihr bei Weiterbildungen in Sachen “Lagerung“ auf den verschiedenen Stationen zu helfen. Das war uns natürlich ein großes Vergnügen und so liefen wir mit neuen Kissen bepackt von Station zu Station und versuchten das unmögliche möglich zu machen. Für das Personal war das zum Teil absolutes Neuland, aber wir hatten, vor allem mit den Krankenpflegeschülern, viel Spaß. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die meisten sehr offen und dankbar für die neuen Einblicke waren. Für mich bleibt es jedoch unglaublich, dass vor Allem die ganz einfachen, aber doch sehr wichtigen Dinge, noch nicht hier angekommen sind. Vielleicht haben wir mit unserer Weiterbildung nicht die Welt verändert, aber ich glaube wir haben einen kleinen, guten Schritt gemacht.




Nach einer langen, nötigen Ruhepause, bedingt durch meine starke Erkältung, bin ich diese Woche wieder ins tägliche Geschehen des Krankenhauses eingestiegen.
Am Montag hatte ich die Möglichkeit Jills neues Projekt zu besuchen. Sie arbeitet für Peace Corps America und hatte sich bei dieser Organisation schon lange für die Finanzierung eines Bauprojekts beworben. In einem kleinen Dorf, in der Nähe von Maua wird dringend ein Schulgebäude benötigt und vor ein paar Wochen hat Jill endlich die Zusage zur Finanzierung eines solchen Gebäudes bekommen. Vor zwei Wochen wurde mit dem Bau begonnen und ich war schon sehr gespannt wie weit der Bau vorangeschritten ist. 
Gemeinsam mit Jill und ihrer Freundin Clare, die gerade zu Besuch ist, habe ich mich also an diesem Tag auf den Weg gemacht und ich hatte nicht die geringste Ahnung, dass mich eines der bis jetzt schönsten Erlebnisse hier erwartet.
An diesem Tag wurden alle im Dorf dazu aufgerufen zu helfen, denn das Material zum Bau wurde nahe der Straße abgeladen und das Gebäude wird am anderen Ende des Grundstücks gebaut. So versammelten sich geschätzte hundert Frauen um Steine und Sand zur Baustelle zu tragen. Dass nur Frauen zum arbeiten kommen, möchte ich hier jetzt nicht weiter kommentieren, denn die kulturellen Hintergründe zu erläutern, würde hier jetzt zu weit führen.
Es waren beeindruckende Bilder, denn die Frauen liefen wie Ameisen in Reih und Glied von A nach B. Angekommen an der Baustelle luden alle ab und die Menge wartete bis die letzte ihre Last los wurde. In der Zwischenzeit wurde getanzt und gesungen. Im Anschluss liefen alle zurück und das Ganze begann von Vorn. Es war beeindruckend nicht nur zuzuschauen, sondern auch mitzumachen. Wir wurden in einer Art willkommen geheißen, wie ich es zuvor noch nie erlebt habe. In diesem kleinen Dörfchen wurden wir als Weiße nicht diskriminiert oder als Außenstehende behandelt. Das war ein sehr besonderes und vor allem wohl tuendes Erlebnis, dass ich wohl nie vergessen werde.
Der Bau geht gut voran und Jill wird sich freuen, wenn die ersten Kinder darin sitzen und etwas lernen.
Ich wollte eigentlich auch ein Video vom Tanz und Gesang hochladen, aber nach drei gescheiterten Versuchen gebe ich auf.




Gestern haben wir feierlich einen Weihnachtsbaum in der Kinderstation aufgestellt. Und das ist nicht irgendein Weihnachtsbaum, denn mit einer Nordmanntanne kann Kenia nicht dienen. Darum wurde im letzten Jahr ein Weihnachtsbaum aus zwei Holzplatten angefertigt und mit Nägeln bestückt um ihn bunt zu schmücken. Diesen haben wir also aus der Abstellkammer befreit und damit nicht nur den Kindern, sondern auch den Müttern und dem Stationspersonal eine große Freude bereitet. Es war ein riesen Spaß den Baum gemeinsam hübsch und farbenfroh zu gestalten und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen!




Alles in Allem kann ich sagen, dass es mir, bei allen Höhen und Tiefen, sehr gut geht und ich die Zeit hier sehr genieße. Ich bin jetzt seit einem viertel Jahr in Afrika. Manchmal kommt es mir vor, als wäre ich schon Jahre hier und manchmal, als wäre es gestern gewesen, dass ich mit all meinen Lieben zuhause an einem Tisch saß.  Was mir diese Zeit bis jetzt persönlich gebracht hat, kann ich nicht in Worte fassen. Ich bin sehr dankbar für alles, was mir hier gegeben wird, denn mit der Zeit habe ich festgestellt, dass Kenia mir viel mehr gibt, als ich Kenia geben kann.




Ich wünsche euch allen eine stressfreie Adventszeit mit besinnlichen Nachmittagen, bei Kaffee, Tee, heißer Schokolade und selbstgebackenen Plätzchen.

Alles Liebe. Eure Pauline

Freitag, 18. November 2011

99 Luftballons

Liebe Freunde der Minusgrade,

seit nun fast einer Woche bin ich zurück aus Nairobi und ich muss sagen, dass die ersten beiden Tage nicht ganz einfach waren. Denn wenn man einmal wieder Großstadtluft geschnuppert hat vergisst man, wie eingeschränkt doch das Leben am Arsch der Welt ist. Aber ich hab das schnell überwunden, denn immerhin hat hier meine kleine US-Skandinavische Familie auf mich gewartet. So ist der Alltag schnell wieder eingekehrt und ich fühle mich angekommen.

Diese Woche habe ich gemeinsam mit meiner Freundin Jill ein neues Projekt gestartet. Die Idee dazu kam von Claudia, denn die letzte Praktikantin hat bereits etwas Ähnliches versucht.
Jill und ich möchten zwei bis drei Mal in der Woche gemeinsam auf die Kinderstation gehen und uns mit den Kindern und natürlich auch deren Mütter beschäftigen. Es ist hier üblich, dass die Mütter immer mit ihren Kindern auf Station sind. Die Station wäre sonst unterbesetzt und das Personal hätte wenig Chancen alles zu schaffen. Ich finde das sehr schön, denn ich halte nicht viel davon Mütter von ihrem kranken Kind zu trennen, es sei denn, es ist aus verschiedenen Gründen nicht möglich.
Hier gibt es auf der Kinderstation leider kein Spielzimmer oder ähnliches, was einerseits ein Platzproblem ist, andererseits ein Problem der Ehrlichkeit. Das Spielzeug, was wir zur Verfügung stellen könnten, würde zu einem hohen Anteil gestohlen werden, weil die meisten Mütter sich solche schönen Dinge für ihre Kinder nicht leisten können. Wir haben glücklicher Weise einige große Boxen mit Luftballons, Stiften, Papier, Seifenblasen und anderen Dingen, die ein Kinderherz lachen lassen.
Heute haben wir den Kindern Luftballons mitgebracht und das war natürlich der totale Renner.
Interessant sind die Unterschiede zu Kindern in Deutschland, was die Entwicklung angeht. Einfache Dinge, wie einen Ballon mit beiden Händen fangen und werfen, ist auch für ältere Kinder teilweise äußerst kompliziert.
So werden wir in den nächsten Wochen die Nachmittage abwechslungsreich ausgestalten und den Kindern und Müttern damit hoffentlich eine kleine Freude machen. Uns bereitet es auch große Freude, denn wenn diese Kinder lachen und ich das Strahlen in den Gesichtern der Mütter sehe, ist auch mein Tag ein ganzes Stück bereichert.


Ansonsten kann ich diese Woche gar nicht viel Neues berichten, außer, dass mir der Regen so langsam zum Hals raus hängt. So träume ich mehr und mehr von meinem kommenden Urlaub im Januar am Strand bei Mombasa.

Jedenfalls nutze ich darum heute die Gelegenheit noch ein paar Impressionen von Nairobi zu zeigen, denn davon habe ich so viel, dass ich geradezu das Bedürfnis habe es mit euch zu teilen.
Auf den folgenden Bildern könnt ihr  viele spontan eingefangene Schnappschüsse des Zentrums von Nairobi sehen. Viele Bilder habe ich aus dem fahrenden Matatu gemacht. Zum Beispiel auch von dem Jungen, der am Fenster des Wagens mitgelaufen ist, in der Hoffnung etwas Geld von uns zu bekommen. Oder auch der Aufkleber im vorderen Teil Matatus, welcher sagt "Try and do your best, God will do the rest." Ich habe sehr lachen müssen, als ich das gesehen habe und ich glaube ich konnte euch bis jetzt nicht ansatzweise vermitteln wie irre diese Typen Auto fahren! 
Außerdem bin ich an der Kenia Methodist University von Nairobi vorbei gelaufen. Ein ziemlich großes Haus.



Impressionen Nairobi - Diashow


Übrigens sieht der Himmel auf meinen Bildern fast immer aus, als hätte ich da noch was bearbeitet. Das hab ich aber nicht und ich glaube die Intensität der Farben des Himmels ist ist eines der wunderbarsten Dinge, die man in Kenia jeden Tag bewundern kann.

Wir waren in Nairobi natürlich auch mal shoppen und von den großen Einkaufszentren, die es dort gibt, habe ich ja schon in einem meiner ersten Blogs erzählt. Ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass auch hier der Weihnachts-Wahnsinn schon so früh startet und bei 25°, in Rock und Flipflops ist das ganze noch irritierender.


Einkaufszentrum "Westgate" Nairobi - Diashow


Ja, Nairobi war schön und ich bin froh, dass dies nicht mein letzter Besuch in dieser Stadt war.
Auf der Heimfahrt habe ich endlich einmal daran gedacht einen kurzen Film zu machen, während wir durch eines der Dörfer fuhren. Ich dachte, das ist die beste Möglichkeit euch zu zeigen, wie man sich das hier vorstellen kann. Normaler Weise laufen ein paar mehr Tiere rum und man muss auch mal für ein paar Esel bremsen, aber auch das genügt schon, denke ich.


video


 
Seit dem ich zurück in Maua bin, ist mir mal wieder extrem aufgefallen, wie dreckig es hier ist. In der Hauptstadt hat sich das zum Teil schon gegeben und es wird mehr auf Sauberkeit geachtet. Überall stehen Papierkörbe und es unterscheidet sich kaum von anderen Großstädten.
In Maua und in den umliegenden Dörfern sieht ganz anders aus. Vor allem Plastik ziert die Straßen und Gassen und ich glaube, die meisten wissen nicht im Geringsten, was sie ihrer Umwelt antun. 
Auch die Wasserverschwendung der Einheimischen ist teilweise enorm. Gerade jetzt, in der Regenzeit sieht es ganz gut aus mit dem Wasservorrat. Leider ist es hier nicht üblich Dinge aufzusparen. Das gilt für Wasser genau wie für Lebensmittel. 




So, das solls für heute gewesen sein. Zieht euch warm an, denn ich hab gehört es ist kalt in Deutschland. 

Alles Liebe. Eure Pauline




 



Donnerstag, 10. November 2011

Nairobi - Drehscheibe Ostafrikas

Liebe Freunde des Multi Kulti,

Am Freitag der letzten Woche stand meine Reise nach Nairobi an und meine Freunde und ich haben bereits die ganze Woche darauf hingefiebert.
In nur knapp sechs Stunden brachte uns ein Matatu-Shuttle von Maua nach Nairobi und wir hatten Glück, denn der Fahrer war nur halbwahnsinnig. So kamen wir also unversehrt, gespannt und hungrig am frühen Nachmittag in der Hauptstadt Kenias an. Von der Matatu-Haltestelle aus führte unser erster Weg erstmal ins nächste Restaurant, welches super Keniafisches Essen hatte und außerdem erstaunliche niedrige Preise für ein Lokal in mitten des Zentrums von Nairobi.
Mit gestilltem Hunger fuhren wir dann per Taxi zu unserer Unterkunft, dem Hampton House. Das ist ein Baptistisches Gästehaus und hauptsächlich für Missions-Leute gedacht. Dieses Grundstück ist ein unglaublich schöner Ort zum durchatmen und wohl fühlen. Man trifft hier Menschen aus so ziemlich allen Nationen und hat viele Möglichkeiten sich auszutauschen. So hatten wir einen schönen ersten Abend mit gelieferter Pizza und guten Gesprächen.

Am nächsten Tag erwartete uns das Abenteuer Nairobi.
Nairobi ist die Stadt der Gegensätze. Traditionell gekleidete Kenianer gehören ebenso zum Stadtbild wie Geschäftsleute mit Anzug und Handy.
Die Hauptstadt ist sehr jung und so sind Sehenswürdigkeiten schnell abgeklappert. Dennoch habe ich das Gefühl, ich sollte möglichst wachsam bleiben um ja nichts zu verpassen, von all dem bunten Treiben des Alltags.
Das relativ überschaubare Zentrum der Stadt wirkt auf mich beinahe europäisch, mit all seinen Hochhausfassaden, hinter denen sich noble Hotels, Versicherungen, Banken usw. verbergen. Man stellt schnell fest, dass es sich oft nur um ein paar hundert Meter handelt, die die moderne Stadt von den Slums trennen, in denen Hunderttausende unter ärmsten Bedingungen leben und täglich ums überleben kämpfen.
Nairobi hat ca. 3 Millionen Einwohner. Inoffiziell leben hier angeblich aber fast eine Million mehr Menschen. Außerdem wird geschätzt, dass ca. 60 bis 80 % der Bewohner Nairobis in den Slums leben.

Unser erster Tag startete mit einem grandiosen Frühstück im Yava House. So viel zu den Gegensätzen. Dieses Lokal hat mich stark an Starbucks, oder sonstige Kaffeehäuser erinnert und auch die Speisekarte war sehr amerikanisch. So gab es für mich Pancakes mit frischen Erdbeeren und für meine Freunde Eier und Speck. Der Kaffee war unsagbar gut und so hatten wir einen perfekten Start in den Tag.
Unser großes Glück war, dass wir Betty an unserer Seite hatten. Die Medizinstudentin, die wir in Maua kennen lernen durften, lebt und studiert in Nairobi und hat darum jede Menge Insiderwissen und die perfekten Qualitäten um uns die Stadt zu zeigen.
So besuchten wir an diesem Tag das Giraffenzentrum, wo einige der vom aussterben bedrohten Rothschild-Giraffen gehalten werden. Dieses Giraffenzentrum ist an den Nairobi Nationalpark angeschlossen und die Tiere leben unter wunderbaren Bedingungen. Das Besondere hier ist, dass man die Giraffen füttern und anfassen kann, was für uns alle ein wirklich besonderes Erlebnis war.




Um zu unserem nächsten Wunschziel, dem Massai Market, zu gelangen, hatten wir einiges vor uns, denn Nairobi ist groß und die öffentlichen Verkehrsmittel haben nicht wirklich ein System, zumindest keines was uns bekannt ist. So waren wir ca. 90 Minuten unterwegs und zwar mit Bus, Matatu und zu Fuß. Uns wurde unterwegs allerdings nicht langweilig, denn hier gibt es an jeder Ecke etwas zu sehen. Im vollgestopften Bus erlebten wir, neben anderem Sehenswertem, eine waschechte Schlägerei, zwischen zwei Männern, geradewegs durch den Mittelgang des Busses. Betty konnte heraushören, dass es wohl um eine Frau ging. Das war ja klar. Was sonst?
Übrigens ist es wunderbar hier in Nairobi mal wieder Menschen zu sehen, die Gefühle zeigen, wie etwa Händchen haltende Pärchen. Das tut richtig gut, denn in Maua und anderen ländlichen Gebieten bekommt man so etwas nicht zu sehen und man lernt auch so etwas wirklich zu schätzen. Ich hoffe also, ihr freut euch, wenn ihr das nächste Mal einem glücklichen Pärchen begegnet.



 Unsere liebe Betty als unschlagbare Reiseführerin


Den Massai Market zu beschreiben ist fast nicht möglich. Es ist auf jeden Fall ein Muss, wenn man einmal in Nairobi ist. Der Markt ist riesig und es wäre an einem Tag kaum zu schaffen sich alles anzusehen. Es gibt so ziemlich alles was das Touri-Herz begehrt und ich hatte endlich einmal die Gelegenheit nach Lust und Laune zu feilschen. Leider sind viele Verkäufer sehr aufdringlich und man muss sich seinen Freiraum verschaffen. Außerdem gibt es Herren, die sich ungefragt zum privaten Einkäufer erklären und einem nicht von der Seite weichen. Ich habe den Herren sehr schnell deutlich gemacht, dass ich deren Hilfe sehr schätze, aber doch lieber allein einkaufe. Ich hab das ja schon mal gemacht.





Nairobi bietet eine Menge internationale Küche und so haben wir uns entschlossen einmal zum Äthiopier zu gehen. Ich habe nur Gutes über die Äthiopische Küche gehört und war extrem gespannt was auf mich zukommt.
Die Äthiopische Küche unterscheidet sich deutlich von den Essgewohnheiten anderer afrikanischer Länder. Man bestellt gemeinsam verschiedenes und das wird dann auf einem riesigen Teller für alle serviert. Das Grundnahrungsmittel ist ein spezielles Sauerteig-Fladenbrot namens Injera. Dieses bedeckt den kompletten Tellerboden und wird auch zusätzlich gereicht. Wir haben uns verschiedene Sorten Fleisch und Gemüse bestellt. Diese wurden auf dem Fladenbrot verteilt serviert. Vor dem Essen kommt der Kellner mit einem Wasserkrug und Seife zum Tisch und nacheinander kann sich dann jeder die Hände waschen. Gegessen wird mit der rechten Hand. Dabei ersetzt das Injera quasi das Besteck, in dem man einfach kleine Teile des Fladenbrotes abreißt und sich damit Gemüse oder Fleisch greift. Generell ist das Äthiopische Essen sehr scharf, meist durch das Gewürz Berbere und ich war wirklich froh, dass wir viel Fladenbrot hatten um die Zunge zu beruhigen. Der Geschmack der servierten Speisen hat mich restlos begeistert, aber vor Allem auch die Art und Weise miteinander zu Essen. Wir hatten jede Menge Spaß und ich kann es nur empfehlen.




Das Nachtleben von Nairobi haben wir natürlich auch mal begutachtet. Es ist nicht gerade ungefährlich hier im Dunkeln unterwegs zu sein, darum sollte man grundsätzlich nur via Taxi von einem Ort zum Anderen gelangen. Insgesamt gab es hier in der Großstadt keine wesentlichen Unterschiede zum Nachtleben in anderen Metropolen. Eine Bar ist im Prinzip eben überall einfach nur eine Bar.

Das Beste überhaupt erwartete uns am Sonntag. Betty nahm uns mit in ihre Kirche und das war einfach nur unglaublich. Nachdem ich in Maua ziemlich enttäuscht war, durfte ich hier in Nairobi genau das erleben, was ich mir eigentlich vorgestellt hatte.
Die Musik war sehr gut und ging ans Herz. Spätestens beim Auftritt der Tänzer tobte die Gemeinde vor Begeisterung und ich hatte ein bisschen das Gefühl in einem Konzert zu sitzen. Wir fühlten uns alle sehr willkommen und obwohl dieser Gottesdienst ganze zweieinhalb Stunden ging, verging die Zeit wie im Flug.
 

Am Montag Morgen haben sich Cecilia und Daniel verabschiedet um zurück nach Maua zu fahren. Claudia und ich werden noch bis Sonntag das Hauptstadtleben genießen und ein paar Dinge erledigen. 
Also besuchten wir, nach der Verabschiedung meiner beiden Freunde, den bisher einzigen Rollstuhl-Hersteller in ganz Ostafrika. Das Krankenhaus in Maua bekommt von dort Rollstühle und unter Anderem auch Unterarmstützen. Die Fabrik hat unglaublich viel zu tun und muss sich ran halten um alle Aufträge erledigen zu können. Die Materialien werden zum Teil aus Ostafrika, aber auch aus Indien geliefert.
Nun fragt man sich warum Rollstuhl-Hersteller nicht schon in ganz Ostafrika verteilt sind. Das große Problem ist, dass Europa und Amerika Millionen alte Rollstühle als Spende nach Afrika schicken. Das klingt erstmal sehr nett, ist aber eher kontraproduktiv. Die gespendeten Rollstühle haben meist ihre besten Tage schon hinter sich und wenn sie kaputt gehen, sind hier in Afrika keine Ersatzteile verfügbar. Außerdem sind sie überhaupt nicht geeignet die afrikanischen Straßenverhältnisse zu überstehen. Somit wird hier unglaublich viel Rollstuhl-Müll produziert und das Wachsen der afrikanischen Rollstuhl-Industrie wird verhindert. Man fragt sich einfach, wann endlich alle begreifen, dass es nicht die Lösung ist, wenn wir unseren ganzen alten Krempel nach Afrika schicken und meinen damit die Welt zu retten.
Der Besuch und die kleine Führung durch die Werkstatt hat mir jedenfalls sehr gefallen.




Vor ein paar Tagen habe ich hier im Hampton House übrigens eine Junge Frau aus den Niederlanden kennen gelernt. Esther ist Medizinstudentin und war für ein paar Wochen in Tansania um in einem Krankenhaus zu arbeiten. Am Ende kam ihr Bruder zu Besuch und sie sind gemeinsam durch Tansania gereist. Leider hat ihr Bruder Mitten im Nirgendwo eine Blinddarmentzündung bekommen und schließlich einen Blinddarmdurchbruch, da die beiden nicht schnell genug Hilfe bekommen konnten. Sie wurden letztendlich nach Nairobi ausgeflogen und der Bruder konnte gerettet werden. Jetzt wartet Esther hier auf seine Entlassung um dann mit ihm nach hause zu fliegen. Wir haben uns auf Anhieb prima verstanden und sind nun jeden Tag zusammen unterwegs, nach dem Esther nach ihrem Bruder geschaut hat. Wir reden Stunden lang und obwohl Esther auch fließend Deutsch spricht, eigentlich die ganze Zeit auf Englisch. Ich möchte ja weiterhin besser werden und darum mach ich da keine Ausnahme. Aber ich muss schon sagen, dass es Wahnsinn ist wie schnell sich eine Fremdsprache entwickelt, wenn man die meiste Zeit gezwungen ist sie zu sprechen.

So meine Lieben, das sollte für heute reichen. Ich könnte noch seitenweise schreiben, aber ich will ja auch noch was erzählen, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Sonnige Grüße aus Nairobi.


Eure Pauline

Sonntag, 30. Oktober 2011

Wer hat an der Uhr gedreht?

Liebe Freunde der Reformation,

meine siebte Woche in Kenia bricht nun an und ich freue mich, euch wieder ein paar Kleinigkeiten berichten zu können. Ich sage es oft und ich ich sage gern nochmal, die Zeit fliegt und zwar im Eiltempo. Und ich bin euch noch dazu seit vorletzter Nacht nicht mehr nur eine sondern zwei Stunden voraus. Ich hoffe ich konntet die geschenkte Stunde genießen und habt nicht zu früh in der Kirchenbank gesessen :)

Meine letzten Tage waren... normal! Überhaupt wird langsam alles irgendwie "normal" und ich empfinde das als sehr angenehm, denn die ganze Aufregung ist insgesamt recht anstrengend. Darum genieße ich "normal" und meine Freunde und ich stellen fest, dass "normal" eigentlich echt schön ist und es neben den alltäglichen Abenteuern auch mal ganz angenehm ist bei einem Durchschnitts-Hollywood-Film mit Popkorn vor der Glotze zu hocken.   

Am vergangenen Mittwoch hatte ich die Gelegenheit mit einem Team des Community Health Department, also dem ansässigen Gesundheitsamt, in “outreach“ zu gehen. Verschiedene Teams fahren meist zwei Mal in der Woche raus auf die Dörfer und machen dort Hausbesuche oder nutzen örtliche Räumlichkeiten um Patienten zu empfangen. Ich war mit dem “Mutter und Kind - Team“ unterwegs, dem auch meine Freundin Jill angehört. Außerdem waren noch zwei Krankenpflegerschüler dabei, die ich noch nicht kannte und so hatte ich mal wieder die Möglichkeit zwei fremde Gesichter unter “kenn ich jetzt“ einzuordnen. Amina und David waren zwar erst sehr schüchtern, sind aber im Laufe des Tages aufgetaut und wir hatten jede Menge Spaß zusammen.
Nachdem wir eine Ewigkeit auf unseren Fahrer gewartet haben ging es dann doch endlich los. Der Fahrer wirkte alles andere als vertrauenswürdig, aber was will man machen? Entweder man fährt mit, oder man lässt es eben bleiben. 
Zwanzig Minuten später sind wir in dem Dörfchen namens “Athiru Ruujine“ angekommen und ich empfand es als Erholung, denn dieser kleine Ort war sehr ruhig und eine schöne Abwechslung im Gegensatz zum lauten Maua.
Unser Raum wurde uns aufgeschlossen und ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass manch einer von euch einen solchen Raum sicher maximal als Werkzeugschuppen benutzen würde. Unser mitgebrachtes Material war eine kleine Kühlbox mit sehr viel Impfstoff für die Babys, eine Große Kiste mit Moskitonetzen, die für 20 Cent gekauft werden konnten, Kondome, eine Waage und eine “Babywaage“, die ich so bis jetzt eigentlich Fahrradläden zugeordnet habe. Die Babys mussten dazu in einen Stoffbeutel gesteckt werden, welcher zwei Löcher für die Beinchen hat. Dieser Beutel wird dann an die Waage gehängt. Diese ist mit einem Strick an einen Balken in unserem Raum angebunden. Die Babys sahen unglaublich süß aus, wenn sie da so in ihrem Beutel hingen. Leider habe ich davon keine Bilder, denn die Mamas haben es sicher nicht so gern, wenn man ihre Kinder ablichtet und das ist ja auch verständlich.
Nach dem Wiegen wurde im vorgelegten Impfausweis nachgeschaut welche Impfung für das Kind heute an der Reihe ist. Ich war positiv überrascht, dass überhaupt Impfausweise existieren, vermute aber, dass nur Mütter in solch einem Projekt einen besitzen. Und dann wurde wild drauf los geimpft. Das haben übrigens die Krankenpflegeschüler in einer unglaublichen Routine getan. Amina sagte mir später, sie führe schon Impfungen seit dem dritten Monat des ersten Lehrjahres durch und das sei hier völlig normal.
Für eine Impfung waren ca. 40 Cent zu bezahlen, was auch problemlos ablief. An diesem Tag wurden knapp 20 Kinder behandelt und ich war schwer beeindruckt von der gesamten Prozedur. 


David, Amina und Jill


Zum Lunch sind wir übrigens im Dorf geblieben und hatten die Wahl zwischen zwei "Küchen". Vegetarisch, oder nicht vegetarisch. Ich wurde überstimmt und so gab es mal wieder Ziege mit Ugali. Das eigentlich faszinierende waren aber die Räumlichkeiten, denn ich hätte hinter diesem Hauseingang niemals ein "Restaurant" vermutet. Die einzelnen Tische waren in kleinen, sehr dunklen Räumen, rechts und links entlang eines langen Flures untergebracht und es gab einem ein bisschen das Gefühl in einen Stall geführt zu werden. Das Essen wurde für uns vier Personen auf einer großen Platte serviert und wir haben, wie es sich gehört, mit den Händen gegessen. Die Suppe, die gereicht wurde, habe ich verschmäht, denn sie wird aus den Innereien der Ziege gekocht. Das war zwar etwas unverschämt von mir, denn das ist hier eine Delikatesse, aber es ging über meine Grenzen hinaus. Vielleicht beim nächsten Mal.
Insgesamt war es ein sehr interessanter und schöner Tag. Vielleicht kann ich bei Gelegenheit noch mal mitfahren.


Ugali und Ziege



Am Freitag besuchte ich mit Claudia die KeMU in Meru. Das ist ein Campus der Kenya Methodist University. Die KeMU wurde in Meru gegründet und hat inzwischen auch einen Campus in Nairobi, in Mombasa, Nakuru und Nyeri.
Wenn man durch das Eingangstor fährt eröffnet sich einem eine andere Welt, denn der Campus in Meru ist ein riesiges Gelände, bepflanzt mit tausenden von Bäumen und Palmen, bezaubernden Blumen und sattem, grünen Gras. Die wirklich schönen, gepflegten Gebäude verteilen sich großzügig und inmitten des Geländes befindet sich ein angelegter Teich. Ich war wirklich sprachlos und hatte gleich das Gefühl hier mal ein paar Stunden durchatmen zu können.



Wir wurden vom stellvertretenden Chef der Uni, Rev. Dr. John Kobia Ataya, fürstlich empfangen und anschließend von einer sehr netten Medizin-Professorin, Prof. Alice Mutungi, herumgeführt.
Studieren kann man hier jede Menge. Von Wirtschaft, über Informatik, Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften bis hin zu Medizin gibt es wirklich viele Möglichkeiten sich zu bilden.
Besonders stolz waren die Mitarbeiter der Uni uns den Leichenkühlschrank in der Pathologie-Schule zu zeigen, denn der war nagelneu und aus Deutschland importiert. Auch hier hat man also teilweise schon bemerkt, dass Dinge, die aus Deutschland kommen meist Qualität haben.
Insgesamt wirkt die Uni sehr organisiert und fortschrittlich. Wir hatten einen tollen Tag mit vielen Eindrücken und sehr interessanten Gesprächen.
Wer gerne mehr über die KeMU erfahren möchte, kann sich gerne auf der Homepage umsehen.

http://www.kemu.ac.ke/


 Besichtigung des "deutschen Kühlschranks"


Unser Wochenende war diese Woche sehr entspannt und erholsam. Der andauernde Regen macht mich langsam ein bisschen wahnsinnig, obwohl die Freude darüber natürlich groß ist, denn wir brauchen ihn nun mal hier. Am nächsten Wochenende geht’s dann für zehn Tage nach Nairobi und ich freue mich trotz der unveränderten politischen Lage sehr darauf. Ein bisschen Großstadtflair wird gut tun.

Wie Forrest Gump so schön sagte: "Das ist alles was ich darüber sagen kann".
Damit schließe ich und melde mich nächste Woche wieder. Dann aus Nairobi.
Viele liebe Grüße und einen schönen Feiertag für euch.

Eure Pauline



Dienstag, 25. Oktober 2011

Von Freunden und anderen Kleinigkeiten

Meine lieben Freunde,

Es sind einige Tage vergangen seit dem ich geschrieben habe, aber heute ist nun wieder genug Zeit, die ich mir gerne nehme um Neues zu berichten.

Die letzte Woche lief nach meinem Safari-Abenteuer recht ruhig an und ich muss wirklich sagen, dass mir so langsam aber sich ein gewisser Zeitdruck fehlt, der mich zuhause in Deutschland eigentlich täglich begleitet.
Nun ja, ich gewöhne mich an diese drucklosen Tage und wette, dass ich mich später, an stressigen Arbeitstagen, danach zurück sehnen werde. Man will ja immer das was man gerade nicht hat, nicht wahr?

Letzte Woche hat sich endlich die “Kenya Society of Physiotherapists“ bei mir gemeldet und mir erstmal mitgeteilt, dass ich weiterhin keine Patienten behandeln darf. Sie möchten erst mit mir sprechen um dann zu entscheiden ob ich dazu in der Lage bin hier zu arbeiten. Was das genau bedeutet und worauf ich mich nun eigentlich vorbereiten muss weiß ich nicht, aber ich gebe mir Mühe und lerne ganz fleißig weiter medizinische Vokabeln um mich bestens auf Englisch ausdrücken zu können. Ich werde nächste Woche Freitag, gemeinsam mit meinen Freunden, nach Nairobi reisen um dort das Wochenende zu verbringen. Dort treffe ich dann Claudia und wir werden eine weitere Woche dort bleiben um verschiedene organisatorische Dinge zu erledigen und wichtige Termine wahrzunehmen. In dieser Woche wird also auch mein Gespräch sein. Wir werden sehn was mich genau erwartet und welche Konsequenzen gezogen werden.

Leider ist die politische Lage hier im Moment sehr angespannt und wir “Gäste“ wurden darauf hingewiesen uns sehr vorsichtig zu verhalten. Die deutsche Botschaft informiert mich nun auch regelmäßig, denn seit letzter Woche bin ich dort registriert, damit im Ernstfall bekannt ist, dass ich mich in Kenia aufhalte und wo genau.
Nach den Entführungsfällen im Nordosten von Kenia und dem Beginn der kenianischen Militäraktion gegen die al-Shabaab-Miliz im Süden Somalias ist die Gefahr terroristischer Anschläge in Kenia erhöht. Die somalische al-Shabaab-Miliz hat in den letzten Tagen mit Vergeltungsaktionen in Kenia gedroht.
Ich hoffe sehr, dass es so weit nicht kommen wird. Ich weiß, in den deutschen Nachrichten ist die Sache im Moment nicht wirklich präsent, aber für uns ist es im Moment schon ein großes Thema.

Am Samstag haben wir, trotz der schwierigen Lage, beschlossen einen Ausflug zu machen, denn wir müssen hier einfach immer mal raus aus dem Krankenhaus,  unserer “Seifenblase“, wie wir so schön sagen. Wir, das sind meine drei Medizinstudenten Cecilia und Daniel aus Dänemark und Betty aus Kenia, meine Wenigkeit und die liebe Sonne, die uns schon am frühen Morgen anlachte. Wir sind nach Meru gefahren um ein bisschen was einzukaufen was es hier in Maua nicht gibt. Außerdem brauchte Daniel wirklich dringend einen Haarschnitt und wir hatten große Lust auf eine gute Pizza.
In Meru befindet sich übrigens auch die Kenya Methodist University, die ich mir am Freitag mal anschauen darf, denn Claudia hat dort etwas zu erledigen und kann mich mitnehmen. Ich bin sehr gespannt.
Neunzig Minuten Fahrt im Matatu lagen also vor uns und das war mal wieder eine nervenaufreibende Sache, weil der Fahrstil einfach unbeschreiblich ist und man eigentlich einfach im Dauergebet versinken sollte.
Wir sind also gut angekommen und hatten einen wunderbaren Tag im sonnigen Meru. Schön ist, dass man dort hin und wieder auch andere Leute aus Europa oder Amerika trifft und sich kurz austauschen kann. Am Samstag ist mir aufgefallen, dass wir nun auch schon anfangen andere hellhäutigen Menschen mit offenem Mund anzustarren, als kommen sie von einem anderen Stern, weil wir einfach nicht glauben können, dass wir nicht die einzigen sind. Wir sind also nicht nur amüsieret über das Verhalten der Landsleute, sondern oft auch über unser Eigenes.

Am Sonntag habe ich mit Cecilia die Backstube eröffnet. Nicht etwa schon für Weihnachten, obwohl man das denken könnte, so oft wie wir über die verschiedenen europäischen Weihnachtstraditionen reden und uns darauf freuen sie einander zu zeigen. Nein, Daniel hatte am Montag Geburtstag und wir wollten ihn mit einem Geburtstagskuchen überraschen. Das war ein riesiger Spaß und ich stelle wieder einmal fest, in der Küche entstehen doch immer wieder die besten Gespräche.
Am Abend hat Daniel uns, also Cecilia, Betty, Philis, Jill und mich zum Dinner ausgeführt und anschließend sind wir tanzen gegangen um dann mitten auf der Tanzfläche in seinen Ehrentag reinzufeiern. Es fällt mir ein wenig schwer zu beschreiben wie es ist als weiße Frau in einem kenianischen Club zu tanzen. Man muss wirklich gut auf sich selbst und aufeinander acht geben, aber in der Gruppe und mit einer ordentlichen Portion Humor ist das dann auch gut machbar. Es war ein toller Abend und uns allen eine willkommene Abwechslung zum sonstigen Alltag.   



( Hier ein Gruppenfoto von links: Philis, Jill, Pauline, Daniel, Betty und Cecilia )

Seit gestern arbeite ich gemeinsam mit Claudia und einem Team vom Krankenhaus im Goede-Wing. Der Goede-Wing ist ein Haus im Krankenhausgelände vollgepackt mit Kartons, welche containerweise als Spenden aus den USA kamen. Diese Kartons langern nun schon einige Wochen in diesem Haus und es gab Probleme zu organisieren wer nun verantwortlich dafür ist, die gespendeten Dinge zu sortieren und zu verteilen.
Leider werden die unzähligen Artikel vom herumliegen nicht gerade besser. Außerdem sind viele der gespendeten Artikel bereits abgelaufen, wie zum Beispiel Medikamente oder steril verpacktes Material. Das ist äußerst ärgerlich und man muss leider sagen, dass diese Dinge teilweise in diesem Zustand hier her geschickt werden und die Spender-Krankenhäuser sich damit nicht nur Entsorgungskosten sparen, sondern auch noch Geld verdienen. 
Jedenfalls wurde auch einiges für die Abteilung Rehabilitation geschickt und wir verbrachten unter Anderem viel Zeit mit Unterarmstützen zählen, sortieren und beschriften. Leider haben wir ein riesiges Platzproblem, denn die Lagerräume im Krankenhaus sind zu klein und drohen zu explodieren. Ein Problem ist auch, dass viele Dinge nicht organisiert sind, das heißt das Material ist im Computer des Krankenhauses nicht erfasst und kann darum nicht verwendet werden, obwohl es dringend benötigt würde. Darum ist auch kaum Platz in Lagerräumen, weil viele Sachen quasi gesammelt und nicht benutzt werden.
Das klingt nach einem schnell lösbaren Problem, aber leider muss ich einsichtig sein und erneut feststellen, dass die Uhren hier nun mal anders ticken. Ich denke, bis alles sortiert ist vergehen noch Tage, wenn nicht Wochen.

Morgen fahre ich mit dem Palliativ-Team raus in die Dörfer und werde dort Hausbesuche begleiten. Was wir genau tun weiß ich noch nicht, aber ich werde es ja morgen herausfinden. Die gleiche Möglichkeit hatte ich schon einmal vor zwei Wochen, bin dann aber krank geworden und musste absagen. Umso mehr freue ich mich, dass ich morgen mitfahren kann, denn diese Erfahrung möchte ich mir nicht entgehen lassen. Jill wird auch dabei sein, darum mache ich mir auch um den Spaßfaktor unterwegs keine Sorgen.

Die kommenden Tage werden sicher wieder spannend und ich freue mich schon darauf euch davon zu berichten.


( Das bin ich an einem unserer Eierkuchen-Abende )

Bis dahin alles Liebe!

Eure Pauline